Frosthärtere Citrus - Erfahrungsbericht Winter 07/08

Der Witterungsverlauf des Winters 07/08 kann mit den Worten Beschrieben werden: „ Der Winter, der keiner war.“ Fast die gesamte Winterperiode von Dezember bis März war durch Westlagen gekennzeichnet, die überwiegend feuchte, milde Luft transportierte und für das Überleben der ausgepflanzten Zitrus keine Herausforderung darstellte. An 4 Tagen gab es Schneefall und kurze tiefere Fröste Mitte Dezember und Mitte März. Die Minimumtemperatur des Winters betrug - 8,1 C° gemessen am 22.12.07, die Anzahl der Frosttage betrug 40 darunter insgesamt 4 Eistage. Die Durchschnittstemperaturen betrugen im Dezember 3,5 C°, Januar 5,2 C°, Februar 5,3 C° und März 5,0 C°.

Trotz des recht milden Winters gab es doch recht unterschiedlich Reaktionen der Testkandidaten.

Nach wie vor am Besten hält sich die Swingle Citrumelo. Weder Holzschäden noch nennenswerter Laubfall war festzustellen. Die Pflanze wurde April 99 als 6 jähriges Exemplar ausgepflanzt und hat seitdem außer Mulchen und in den Anfangsjahren Stammschutz durch Noppenfolie keinen weiteren Schutz erfahren.

Ebenfalls unbeschadet überstand der Hybrid US-852 (Poncirus X c. reticulata „Changsha“) den vergangenen Winter, allerdings mit etwas größeren Laubverlusten (ca. 25%).

Gleiches gilt für die Hamlin x Flying Dragon, an der keine Schäden feststellbar waren. Dieser 3 jährige Sämling scheint auch für härtere Winter mit tieferen Temperaturen geeignet zu sein.

Eine 5 jährige Carizzo zeigte sich schon stärker beeindruckt und reagierte mit kompletten Laubfall. Eine weitere Carizzo als Spalierpflanze an der Südwand gezogen, zeigte erhebliche Frostschäden. Massives Aufplatzen der Rinde und Absterben dünnerer Astpartien deuten darauf hin, dass diese Hybriden doch nicht geeignet sind „normale“ Winter bei uns zu überstehen.

Weitere ausgepflanzte Citrusgehölze habe ich an meiner West und Südwand gezogen. Diese wurden im Januar und Februar mit Noppenfolie geschützt (siehe auch Zitrusspalier).

Trifolis keine Holzschäden / ca. 30 % Laubfall

Rusk Citrange keine Holzschäden / ca. 50 % Laubfall

Hybrid 119 keine Holzschäden / ca.20 % Laubfall

Morton Citrange keine Holzschäden / 30 % Laubfall

Hybrid US 812 keine Holzschäden / kein Laubfall !!!

Poncirus X Satsuma keine Holzschäden / kein Laubfall !!!

Satsuma Okitsu Wase erhebliche Holzschäden / Absterben diverser Astteile

Einen Sonderfall stellt meine Ichangensis dar, die mit verschieden Ichangensis Klonen veredelt wurde.

Die Mutterpflanze ist aufgrund ihres Wuchsverhaltens mit riesigen Blättern und extrem langen Dornen als Ichangensis nahe der Ursprungsform einzuordnen. Auf dieser befinden sich folgende Klone (Herkunft Agrumi / Voss)  die sich auch unterschiedlich in Ihrer Frostreaktion verhielten

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Ichangensis  IVIA Klon von der Zitrus Forschungsanstalt in der Nähe von Valencia

Holz unbeschadet, Blätter zeigen schon bei leichten Frösten Reaktionen in Form von Einrollen und Farbverblassung. Scheint der Empfindlichste der Klone zu sein.
Ichangensis Klock

Holz und Laub unbeschadet, zähes Laub sehr robust

Ichangensis Trifoliata

Holz und Laub unbeschadet, wahrscheinlich aufgrund der trifoliaten Blätter mit höherer Frosthärte ausgestattet.

Ichangensis Florida

Vergleichbar mit dem der Ichangensis Klock

Ichangensis Violetta

Frostschäden an den Sommertrieben, Ersttriebe waren nicht betroffen. Kein Laubfall der sehr zähen, dicke Blätter, jedoch leicht olivegrüne Verfärbung, was auf Frostschäden schließen läßt.

 

Abschließend läßt sich sagen, nach wie vor Citrumelos und Poncirus X c. retikulata "Changsha"  das Maß aller Dinge sind und ich den Eindruck habe, das nach nun bald 10 Jahren im Freiland beide Pflanzen eine leichte Akklimatisierung vollzogen haben. Der härteste Winter in dieser Zeit war der Winter 02/03 mit - 15 C° im Garten, der ettliche meiner angeblich frostharten Exoten (u. a. Hanfpalme, Zwergpalmen und Acca sollowianas) dahingerafft hat.

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