Erfahrungen und Überwinterungstipps für das Zitrusspalier

Die folgenden Tipps sind das Resultat meiner Erfahrungen seit meinen ersten Versuchen diesbzüglich im Jahr 2002. Seinerzeit rodete ich mein Weinspalier, um in der begünstigten Lage auch frosthärtere Zitrus zu testen, die jedoch in Einzelstellung nicht ausreichend winterhart genug waren.

Ein Spaliererziehung von Citrusgehölzen ist sehr gut durchführbar. Citrusgehölze haben den Vorteil, dass sie, Vergleichbar mit der Weinrebe, immer wieder auch aus sog. schlafenden Augen austreiben. D.h., selbst starker Rück- und Erziehungsschnitt hat nicht das Absterben der Pflanze zur Folge sondern unterstützt sie vielmehr. Die Wurzelfreiheit der Pflanzen führt zu einem stärkeren Wachstum und einer besseren Akklimatisierung an den Standort. Insbesondere die Umstellung im Frühjahr zu Beginn der Vegetationszeit und die rechtzeitige Winterruhe im Herbst sind hilfreich. Zusätzlich ersparen sie die Umlagerung von Kübelpflanzen in ein Winterquartier.

Der wichtigste Vorteil einer Spaliererziehung an einer schützenden Wand ist das verbesserte Kleinklima im Vergleich zu echten Freilandstandorten. Aufgeheizte Steine die in der Nacht Wärme abgeben und ein besserer Wind- und Regenschutz durch lange Dachüberstände und Palisaden zum brechen des Windes helfen sowohl in der Vegetationszeit (kein ausblasend der Wärme) als auch im Winter während der Vegetationsruhe.

Leider bietet eine schützende Wand Richtung Süden- oder Westen nicht ein dermaßen verbessertes Kleinklima, dass alle Zitruspflanzen verwendbar sind. Dennoch bleibt eine große Auswahl an Poncirus- bzw Ichangensishybriden, die Frostgrade bis zu - 12 C° kurzfristig Vertragen und schöne Früchte hervorbringen. Ichangensishybriden bieten den Vorteil einer kürzeren Vegetationszeit, sodass auch in kühleren Breiten wie bei mir im Norden mit reifen Früchten zu rechnen ist. Poncirushybriden haben einen höheren Wärmebedarf während der Vegetationszeit, verfügen aber auch über eine höherere Frosthärte.

Um den Vorteil eines Spaliers zu dokumentieren, habe ich mein Westspalier einmal im Zeitablauf dargestellt.

 

Stand im Frühjahr 2003 nach dem ersten Winter (der auch einer der härtesten der letzten 10 Jahre war)

 

Stand im Frühjahr 2005

 

Stand im Oktober 2007

 

Stand im Oktober 2009

 

Ein weiterer wesentlicher Vorteil eines Spaliers für Zitrus ist der verhältnismüßig einfache Aufbau eines Winterschutzes. Ich verwende 3 Komponenten. Als Notsicherung für extrem kalte Nächte die tiefer als - 10 C liegen verwende ich einen Niederspannungsheizdraht im Wurzelhalsbereich der Pflanzen. Der normale Winterschutz besteht aus einer Mulchschicht und Noppenfolie, die mit Spanngurten befestigt wird. Der Aufbau ist minutensache und hat sich bislang als sehr effektiv bewährt.

Hier nochmals in Fotos dokumentiert

 

Verlegung des Niederspannungsheizdrahtes (zu beziehen u.a. bei ELV.de)

 

hier die Noppenfolie, die unter Zuhilfenahme von Spanngurten festgezurt wird (beides im Baumakt erhältlich)

 

Ich hoffe mit diesen kleinen Hinweisen weitere Zitrusfreunde zu animieren, auch bei sich Vergleichbares zu versuchen. Ich würde mich sehr über einige Erfahrungsberichte freuen.

Stand Januar 2010

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