Tag der offenen Tür  im Geilweilerhof / 17.7.2000


Die Tage der offenen Tür von Rebzuchtanstalten bieten die Möglichkeit in Welten vorzudringen, die sonst nur für Auserwählte erreichbar sind. So sollte es auch am 17.7.2000 sein.

Für mich als Hobbywinzer, der mit den wiedrigen norddeutschen Verhältnissen klarkommen muß, standen natürlich neue Erkenntnisse in Sachen pilztolerante, frühreife Rebsorten im Vordergrund. Auch gab es die Möglichkeit Weine von Neuzüchtungen zu probieren, die noch in der Testphase sind und noch keine Sorteneintragung mit Rebnamen hatten.

Die erste Erkenntnis in den Weingärten des Instituts zeigten mir, daß auch in der Pfalz ein extrem schlechter Sommer geherrscht haben muß. Der Pilzdruck war enorm und die normalen Ertragssorten sahen doch recht erbärmlich aus. Auch einige Selektionen mit vermeintlicher Pilzfestigkeit erwiesen sich als nicht standhaft. Absolut Top vom Laubwerk und Traubenstand her sahen Phoenix, Regent und einige namenlose Neuzüchtungen aus.

Reifemessungen ergaben keinen signifikanten Unterschied zum Reifezustand der vergleichbaren Rebsorten bei mir in Hamburg (ca. 3-5 C°  Oechsle höhere Werte). Leider waren Neuzüchtungen bei Rotweinreben nur spärlich in Sicht.

Da die rote Farbe genetisch rezessiv ist kommt es häufig vor, daß bei Kreuzzungen tiefroter Reben ein weisstraubiger Hybrid entsteht. Erschwerend erweist sich auch die Gradwanderung der Züchter zwischen Pilzresistenz und Einkreuzung der Europäerrebe. Die Resistenz droht permanent "verwässert" zu werden bis zur Wirkungslosigkeit.

Eine neue Kreuzzung aus Regent X Lemberger konnte ich probieren. Die Trauben erwiesen sich jedoch als noch sehr säurebetont, sodaß auf eine spätere Reife als beim Regent geschlossen werden kann. Folglich ist diese Sorte, sollte Sie zugelassen werden, ungeeignet für Lagen außerhalb der Weinbaugebiete.

Zum Regent erhielt ich kelterttechnisch einige Tipps über maximaler Reifegrad 105 C° (danach stoppt die Rebe den Wuchs und schmeißt die Trauben) bis hin zur Dauer der Maischegährung (nicht über 3 Tage !!!).

Leider gab es nicht die Möglichkeit Phoenix Weisweine zu testen. Es wurden nur die namenlosen Neuzüchtungen angeboten, von denen keine restlos Überzeugen konnte. Das Traubengut der Phoenix hatte das sortenspezifische, ausgeprägte Muskataroma und eine Reifegrad von ca. 15 c° Oechsle unter dem Regent !!!

Generell kann gesagt werden, daß die Aufnahme und Offenheit der Mitarbeiter vom Geilweilerhof besser war als bei den Geisenheimern im Rheingau. Die Möglichkeiten Weine von Neuzüchtungezu probieren mit den entsprechenden Analysewerten, jedoch in Geisenheim wesentlich professioneller angeboten wurde (siehe auch Bericht Geisenheim 99).